REVIVAL-KULTUR
 
Drapes, Pomade, Pferdeschwänze: die 50er Jahre leben. Wer die skurrile Subkultur sucht, muß meist weit raus fahren. Die Szene ist zwar in die Jahre gekommen, aber gefeiert wird immer noch was das Zeug hält. 
 

An ihre Wagen und Motorräder gelehnt stehen die Leute rum: schwarzes Leder, schweres Schuhwerk, Tatoos. Der erste Eindruck: eine rustikale Szene. Beim Treffen ist Freakshow: Gut zweihundert späte Halbstarke haben sich versammelt, umgerechnet rund fünf Dosen Pomade und zehn Flaschen Haarspray. Da sind Rockabillies mit weiten Bundfaltenhosen und zweifarbigen Schuhen, Outlaw-Typen im Marlon Brando Stil und junge Frauen mit geknoteten Halstüchern, Cowboyhemden und knallengen Jeans, zwei Handbreit umgekrempelt. Der Neuling wird bereitwillig mit den Eigenheiten des Genres vertraut gemacht. Der zweite Eindruck: eine freundliche Szene.

"Wir sind in die Jahre gekommen", sagt Martin Rey, der seine Passion schon 1979 entdeckte. Viele sind Mitte zwanzig, etliche ein Jahrzehnt älter. Sie kamen in den 80er Jahren als Schüler zur Nostalgiegesellschaft, im Jahrzehnt der Subkulturen. Damals waren Plattensammlung und Outfit noch ein Glaubensbekenntnis. Punk, Grufti, Popper oder eben Rock `n´ Roller: diese Wahl bezahlte man oft mit einer blutigen Nase, zumal in (West-)Berlin. Ein 32-jähriger Rockabilly mit Jeansweste und blond gefärbter Haartolle erinnert sich noch schmerzlich an die legendäre "Popperschlacht" am Hermannplatz, die 1980 für Schlagzeilen sorgte. "Das waren wilde Zeiten. Heute sind wir alle älter und friedlich geworden", sagt er grinsend. "Ich auch", fügt er eilig dazu, als ein skeptischer Blick auf seine Totenkopf-Gürtelschnalle fällt.

Die Szene rekrutiert sich aus Arbeitern, Angestellten, ein paar Polizeibeamten, Arbeitslosen und professionellen Müßiggängern. Manche versuchen sich als Konzertveranstalter oder Berufsmusiker. Die feinen Unterschiede in der Szene verrät das Outfit. "Hep-Cats" tragen auch mal Cocktailkleider mit Pettycoat und Anzüge mit schmalen Krawatten. Psychobillys sind mit extrem langen Haartollen, teilrasierten Schädeln und volltätowierten Armen die Punks unter den Rock `n´ Rollern. Teddyboys, die sich an britischem Rock `n´ Roll orientieren, erkennt man dagegen an Drapes, wie die langen Sakkos mit andersfarbigen Aufschlägen genannt werden, und Creepers, den Wildlederschuhen mit extrahoher Kreppsohle. Die Musik geht an und die ersten Leute beginnen zu Boppen: die Arme locker hängen lassen und wild mit den Füßen hüpfen. Drei Tänze kennt die Szene: neben dem Bop gibt es noch den Stroll. Dazu formieren sich die Mädchen in Reihen und beginnen eine choreographierte Schrittfolge. Jive ist schließlich das, was man sich landläufig unter Rock `n´ Roll vorstellt: ein wilder, energiegeladener Volkstanz. Allerdings kein Leistungssport á la Hacke-Spitze-Überschlag aus der Tanzschule - die Fußspitzen bleiben am Boden, die Spannung zwischen den Tanzpaaren liegt in den Armen. So ungefähr muß der Originaltanz in den 50ern ausgesehen haben.

Was aber fasziniert eigentlich so dermaßen an einem so glanzvollen wie verklemmten Jahrzehnt, der Zeit von Globke und McCarthy, von Milchbars und Autokinos? "Wir sind eine Gemeinschaft von Drogenanbhängigen", bekennt Ricky. Und die Droge heißt meist schlicht: Rock `n´ Roll. "Das ist keine Musik, sondern ein Lebensgefühl", lautet übereinstimmend das stereotype Bekenntnis der Besessenen. Seit den 50er Jahren gibt es Menschen die weltweit das Lebensgefühl dieser Zeit nachfühlen und erhalten möchten. Damit verbunden ist die Liebe zur Musik aus jenen Jahren.
Rockabilly, Rock`n`Roll und Jive sind unvergessen und werden immer noch gern gehört.
(von Bodo Mrozek)

 

Es waren die sogenannten „Cosh-Boys“, die in den 50er Jahren den Anfang der späteren Teddyboys machten. Es waren jugendliche Gangs, die mit ihrem eigenartigen Outfit – lange Jacken mit Samtkragen und Röhrenhosen – für Furore in der damaligen englischen Gesellschaft sorgten. Ihr äußerliches Outfit erinnert stark an die vergangene Regentschaft Edward VII. (1901-1910). Auch ihre Frisuren, lang und mit Pomade geschmiert, erhaschten nicht gerade Sympathien bei der älteren Bevölkerung. Zu allem Übel kamen dann noch die gewalttätigen Attacken zwischen rivalisierenden Gangs und den Ordnungshütern hinzu. Die Zeitungen brauchten für diese Gangs einen einprägsamen Namen und so wurde der Begriff „Teddyboy“ bzw. „Teddygirl“ geboren.



Der DAILY EXPRESS war die erste Zeitung, die am 23. September 1953 den Begriff „Teddyboy“ benutzte. Zu jener Zeit fuhr Elvis, der spätere „King of Rock & Roll“ noch mit seinem Laster durch die amerikanische Landschaft.

23. September 1953:
Der Begriff „Teddyboy“ wird geboren.

Kurz nachdem man diesen Begriff also „geboren“ hatte, begann der kurze, aber glorreiche Siegeszug des Rock & Roll. Die Musik war unaufhaltsam, fesselte die damalige Jugend (bis auf wenige Ausnahmen). Natürlich wurden die Teds durch diese neue Musik bestärkt. Künstler wie Billy Fury, Marty Wilde, Cliff Richard wurden zu Idolen. Es war ganz einfach der Anfang von etwas Neuem. Im September 1956 hatte Bill Haley sage und schreibe 5 Titel in den TOP 20 und der Film „Rock Around The Clock“ wurde in über 300 Kinos gezeigt. Wo aber ein Anfang ist, da ist auch ein Ende und so packten viele damalige Teddyboys ihre Drapes und Röhrenhosen nach dem Militärdienst zusammen und schnitten sich zudem die Haare ab. Das Gefühl der Rebellion hatte sich bei ihnen gelegt. War dies also das Ende der Ted-Kultur ? Mitnichten, denn es gab noch andere Fans in England, die sich für den Rock & Roll der 50er Jahre stark machten. Es waren z.B. die „Ton-Up Rocker“. Sie trugen die bekannte „Uniform“ der amerikanischen „bösen Jungs“: schwarze Lederjacke, T-Shirt, Jeans und Motorradstiefel.


Der Rock & Roll erwacht wieder:

1967 schaffte es Bill Haley´s „Shake Rattle & Roll“ erneut in die britischen Charts zu klettern. Das kam nicht von ungefähr, denn Ende der 60er Jahre spielten viele Bands in England wieder den guten, alten Rock & Roll. Eine neue Generation von Teds kam auf, die sich wiederum mit den alten Teds vereinigten. Bands wie THE WILD ANGELS, THE HOUSESHAKERS sowie der bekannte SHAKIN STEVENS mit seinen SUNSETS bauten das alte Gefühl des Rock & Roll wieder auf bzw. ließen ihn wieder populär werden. Der Rock & Roll schien wieder erwacht zu sein, das sogenannte Rock & Roll-Revival war da. Einen Unterschied zwischen der älteren und jüngeren Generation der Teds gab es allerdings: Während die junge, neue Ted-Generation musikalisch toleranter war, soll heißen, sie mochten auch den Rockabilly, so wollte die ältere Ted-Generation allerdings nur ihren alten Rock & Roll zurück. Sie konnten sich jedoch nicht durchsetzen und so ist der Rockabilly heute ein fester Bestandteil in der Szene.

 

Künstler wie Carl Perkins, Warren Smith oder Charlie Feathers kommen zu neuen Ehren

In den 70ern entwickelte die neue Ted-Generation eine starke Identität: Haarlack ersetzte die Pomade, die Drapes wurden länger und auch größer, die Hosen noch enger, die Schuhe hatten dicke Sohlen und wirkten klumpig (Creepers), Koteletten, so wuchtig wie bei Walfischfängern, zierten viele männliche Teddyboygesichter und nicht zu vergessen: die alte Taschenuhr mit obligatorischer Kette. So sahen die neuen Teddyboys aus. Doch sie entdeckten auch die musikalischen Wurzeln des Rock & Roll, nämlich den Rockabilly und die Countrymusic. Alte Künstler wie Carl Perkins, Charlie Feathers, John Burnette, Warren Smith, Sleepy La Beef, Carl Mann, Billy Lee Riley und viele andere kamen zu neuen Ehren, ja manche von ihnen wurden erst jetzt in Europa bekannt. Aber auch neue Bands wie CRAZY CAVAN & THE RHYTHM ROCKERS, FLYING SAUCERS, RIOT ROCKERS u.v.a.m. brachten ihre eigenen Songs und ihren eigenen Sound in die europäische Szene. Ein neuer Name wurde mit „British Rockabilly“ kreiert. Er wird auch als „Teddyboy Rock & Roll“ bezeichnet.
Eine neue Bewegung namens „Rockabilly Rebels“ kam dank des Revivals auf. Einige von ihnen benutzten allerdings diese Bewegung, um ihre politische Überzeugung ausleben zu können und verbanden den Rockabilly bzw. den Rock & Roll mit dem Rassismus. Zu allem Übel missbrauchten sie auch die Rebel-Flag (Südstaaten-Fahne) für ihre politische Gesinnung und so galt man für viele in der Gesellschaft für einige Zeit als Rassist, offenbarte man sich, Rock & Roll/Rockabilly-Fan zu sein. Glücklicherweise hat sich dies heute – nach einigen Erklärungskämpfen - erledigt.


Erkennungs- und Wahrzeichen der Teds: Rebelflag



Die Konföderiertenflagge galt zu jener Zeit als Erkennungs- und Wahrzeichen der „Rockabilly Rebels“ und stand für die Masse der Rock & Roll/Rockabilly-Fans in keiner Weise im Zusammenhang mit Rassismus oder ähnlichem! Musikalische Anführer der „Rockabilly Rebels“ wie MATCHBOX und Ray Campi sind in keiner Weise Rassisten.



In welche Richtung sich der Rock & Roll stilmäßig weiterentwickeln wird bleibt ungewiss. Gewiss ist jedoch, dass der Rock & Roll bzw. der Rockabilly auch in Zukunft seine treuen Fans haben wird und somit nicht ausstirbt.

(fred sippel)

 

Heute genauso wie in den vergangenen Jahrzehnten finden Jugendliche den Weg zum Rock`n`Roll und somit zu den Fifties. Sie beginnen sich Platten zu kaufen und suchen Kontakte zu gleichge- sinnten Menschen. Freundschaften werden aufgebaut und gemeinsam teilt man die Liebe zur Musik. Manche von ihnen fühlen sich dieser Zeit so verbunden, daß sie beginnen sich wie in den Fifties zu kleiden und sich mit der erforderlichen Portion Pomade eine “Tolle” zu kämen. Der Entenschwanz darf natürlich auch nicht fehlen und von da an haßt man jede einfahrende U-Bahn, die einen für die “Tolle” tödlichen Luftschwall vor sich herschiebt. Ein Kamm wird somit unent- behrlich und der wichtigste Begleiter eines Teddy Boy.

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